Jardin J'adore

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Jardin J'adore videostill

Die Videoarbeit Jardin J‘adore von Nadia Perlov eröffnet vielschichtige Bezüge zwischen Architekturen und Narrativbildung und fragt nach den Machtstrukturen von Räumen. Wie Wege im künstlich angelegten Garten schlagen sich Gedanken nieder, lenken den Blick nach vorne oder zurück, nach oben oder unten, fließen und falten sich ineinander. Als Referenz dient der Barockgarten, artifiziell angelegt ist er ein Ort menschlicher Kontrolle. Von oben betrachtet erinnert er an ein Insekt oder an Bewegungsnotationen von barockem Ballett – die Kontrolle über Natur spielt ebenso eine wichtige Rolle wie die über den eigenen Körper im Balletttanz. Am Beispiel ihres Heimatlandes Israel fragt die Künstlerin danach, was es heißen kann, wenn sich Macht und Zugehörigkeiten räumlich niederschreiben. Der Blick wandert von zionistischen Bewegungen zur aktuellen politischen Situation und Fragen von nationaler Identität oder der Dekolonialisierung von Israel Palästina. Die komödiantische und plastische Inszenierung in Jardin J‘adore wird zum politischen tool. Als Szenerie der Videoarbeit dient ein künstlich angelegter Garten im Hinterhof der Künstlerin, der an ein Fernsehstudio aus anderer Zeit erinnert. Mit Cellomusik werden die Emotionen der Schauspielenden untermalt und bis ins Lächerliche gesteigert. Architekturen beeinflussen die Räume, in denen wir uns bewegen, machen sie planbar und üben so Kontrolle aus. Nadia Perlov macht aus den starren architektonischen Strukturen Origamis, lässt sie zu faltbaren Bugs werden. Ein Insekt fliegt über den Innenhof und verdeutlicht, dass der Blick von oben eine Struktur offenlegen kann, die sich sonst nicht erschließt. Im Film verschmelzen glitzernde Taschen als Statussymbol mit der Provinzialität des perfekten Hauses – die Schauspielenden werden Teil dieses Strudels aus Macht und Banalitäten. Es handelt sich beim künstlichen Garten im Hinterhof jedoch um einen Ort, der geschaffen wurde, um ihm entfliehen zu können: Auf einem Spaziergang durch das Gallusviertel treffen die Protagonist*innen auf einen benachbarten Gärtner und kommen mit ihm ins Gespräch. Wie aus einem Traum erwachend finden sie sich im lokalen Frankfurter Kontext wieder, in dem die Künstlerin lebt und arbeitet.

Text by Leonie Schmiese for kubaparis

https://vimeo.com/474364754/05df0d0818

Duration 19:48min

Cinematography 

Hillel Ben Zeev 

Staring 

Tamir Eting 

Lia Perlov

Nadia Perlov


Music

Original music by Nadia Perlov 

Rak Lehatzitz- lyrics by Natan Alterman, composition by Illy Gorlitzky  arrangement by Lia Perlov and Nadia Perlov

Shows

L'esprit, Prtikus kunsthalle Frankfurt am Main.

IDENTITÄT Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main K.d.ö.R.  

Prize

Absolventenpreis des Städelschule Portikus e.V. 2020

Audience's choice prize 

IDENTITÄT Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main K.d.ö.R.  

Press

https://kubaparis.com/category/review/

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Instulation shots, Jardin J'adore, L'esprit at Portikus Frankfurt am Main, September 2020

Photos by Ivan Murzi

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Instulation shots, Jardin J'adore, IDENTITÄT Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main K.d.ö.R.  October 2020

© Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main.